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Claudia Schütte: give me a pen

Fotoausstellung: Chancen auf Bildung für Kinder in Indien

Die Universitätsbibliothek zeigt 50 Arbeiten der Bochumer Fotografin Claudia Schütte, die auf einer Reise zu Förder-Projekten des Bochumer Vereins "Chance auf Leben e.V." in Mumbai und Umgebung entstanden sind.

Die Bochumerin Rita Römert-Steinau gründete den Verein 2003 mit dem Ziel, Patenschaften und soziale Projekte für sozial benachteiligte Mädchen und Frauen in Indien zu organisieren.

Die Universitätsbibliothek freut sich sehr, die eindrucksvollen Fotos von Claudia Schütte zum 15jährigen Jubiläum des Vereins "Chance auf Bildung e.V." zu präsentieren.

Neben Claudia Schütte und Rita Römert-Steinau stellen weitere Bochumer ihre Arbeit vor: M. Sayed und Prof. Dr. Christian Uhlig von der Deutsch-Indischen Gesellschaft Bochum. Sie konnten Durga Arya aus Essen, eine der herausragenden indischen Tänzerinnen in Europa, gewinnen, einen klassischen indischen Tanz zu zeigen.

Die Eröffnung findet am 14. Juni 2018 statt und beginnt um 18 Uhr in der UB auf Etage 1. Im Anschluss gibt es einen kleinen Empfang.

Die Ausstellung ist bis zum 30. September zu sehen.

Der Eintritt ist frei.


zu Claudia Schütte

Claudia Schütte ist groß geworden mit der analogen Fotografie und dem klassischen Fotojournalismus. Sie studierte Fotodesign in Dortmund.
"Gereizt hat mich der Spagat zwischen Foto-Dokumentation und Foto-Design. Mit der Weiterentwicklung der digitalen Fotografie kann ich heute beides umsetzen. Als Fotografin halte ich den Blick als Momentaufnahme fest, tauche ein in die Situation und bin gewillt, das „Gesehene“ in einem 1:1 Foto festzuhalten ohne es zu werten. Im Bereich Foto-Design ist es für mich eine Bereicherung, wenn ich mit der Situation experimentieren darf. Ich kokettiere mit Farben, Bildaufbau und nutzte das Medium Digital als Sujet. Das erlaubt mir die Freiheit einer etwas anderen Bildsprache."


15 Jahre Verein "Chance auf Leben"

Patenschaften, Kindergärten, Frauenzentrum, Mutter-Kind-Fürsorge, Berufsausbildung / Minikredite und Brunnen sind die Schwerpunkte der Arbeit des Vereins. Informieren Sie sich auf der Webseite.

Aus dem Jahresbericht 2018:
"... Es hat sich mehr als gelohnt, diesen Weg mit den Mädchen zu gehen. Heute sind nicht wenige der früher noch chancenlosen Mädchen Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen, Stewardessen, Kindergärtnerinnen oder haben ein abgeschlossenes Studium mit der Aussicht auf einen sehr gut bezahlten Beruf. Die geförderten Mädchen haben sich mit unserer Unterstützung von "Chance auf Leben" zu selbstbewussten Frauen entwickelt, die ihre finanzielle Unabhängigkeit für ihre Familie und ihre Ziele nutzen.In den fünfzehn Jahren haben über 7000 Mädchen und Frauen eine Chance erhalten, ihre eigene Lebenssituation zu verändern und die ihrer Familie zu verbessern".


Ein Engagement der Hoffnung

von Claudia Schütte

Ein kleines Dorf auf dem Land, abseits der Stadt Mumbai. Vorbei an kargen Feldern rauscht der Kleintransporter. Aus Deutschland reisen wir (drei Frauen und ich) an. In Begleitung von zwei Sozial-Arbeitern aus Indien sind wir auf dem Weg zu einem Dorf auf dem Land. Die Fahrt ist mühsam, da wir immer wieder tiefen Schlaglöchern ausweichen müssen. Es ist erst Februar, doch in Indien herrschen jetzt schon Temperaturen zwischen 25-30 Grad Celcius.

Indien ist ein Agrarland. Rund 3/4 der Menschen leben auf dem Land. Die Bedingungen in den indischen Dörfern erscheinen einem westlichen Besucher oft als mittelalterlich.

Bei der Ankunft unseres Wagens ertönt ein Gong in der Ferne. Dumpfe Geräusche nähern sich und die trockene Erde des Bodens lebt. Nackte Füße, schlurfend und rennend, im Kindergartenalter – so kommen die Kleinen auf uns zu. Viele Mütter tragen Säuglinge, bunt geschmückt und leise lächelnd begrüßen Sie uns.

Schnell bildet sich ein Kreis und der Dorfälteste mit einem stolzen Lächeln im Gesicht bittet uns stehen zu bleiben. Bunt angezogene Frauen segnen meine Stirn mit einer roten Farbe, es ist ein Symbol ihres Glaubens.

Mit den Metropolen dieser Welt, speziell mit deren Armutsvierteln assoziiert man vor allem Jugendkriminalität, Prostitution, Gewalt, Drogenmissbrauch, Armut, Bettelei ... diese Probleme treten auch in den Slums und auf dem Land um Mumbai herum auf.

Ein kleines Mädchen nimmt mich an die Hand und malt mit ihren Fingern in den staubigen Boden. Im ersten Augenblick überfällt mich tiefe Demut: wie offen sind diese Menschen, die nicht alle Tage Besuch aus Europa empfangen.

Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, denn der Inhalt meiner offenen Tasche wird schnell zum Mittelpunkt. Es wird getuschelt. „Was mag in meiner Tasche stecken?“ Eine Frage, die ich auf Hindi nicht verstehe ... aber in den Augen der Kinder ablesen kann. Wasser kann es nicht sein, denn so Wichtiges wie sauberes Trinkwasser, Elektrizität, Sanitäranlagen, Asphaltstraßen, Telefonleitungen passen nicht in eine kleine Reisetasche.

Auf dem Land und in den Dörfern werden Brunnen benötigt, die sauberes Wasser pumpen. Die langen Wege zu den Versorgungsstellen sind hier in Indien beschwerlich, und diese Arbeit wird hauptsächlich von Kindern und Frauen erledigt. Eigene Brunnen in den Dörfern gehören zu den wichtigsten Einrichtungen, denn Krankheiten besonders bei Kindern und die Folgen von Unterernährung sind dramatisch hoch.

Bunte Kugelschreiber aus Deutschland haben wir dabei. Schnell verteile ich sie in die mir entgegengestreckten Hände. Ganz kleine Finger umfassen kaltes buntes Plastik und wieder Andere halten sie verkrampft fest - nicht wirklich wissend, was die komisch aussehenden Dinger für eine Aufgabe haben.

Die Kugelschreiber werden geschmacklich untersucht und gegen das gleißende Sonnenlicht gehalten, wie ein gerade angezündeter Ast. Mit einem Male höre ich ein Klicken, und weitaufgerissene Augenpaare schauen mich an. Zauber oder Magie? Ohne ein Wort, nur mit ihren Augen wird im Kreise das Geschehene kommuniziert. Etwas ungläubig muss ich wohl aussehen, denn ein kräftiges Lachen höre ich an meiner Seite. Schnell wird mir klar, dass diese Kinder das bunte Ding zum ersten Mal sehen und gar nicht wissen können, was es kann.

Die aufstrebende Wirtschafsmacht Indien ist das Land mit den meisten Kinderarbeitern im Alter zwischen 5 und 14 Jahren. Das Leben in Indien ist für Kinder, insbesondere für Mädchen, die in Armut leben und keinerlei Aussicht auf Bildung bzw. eine Ausbildung haben, sehr mühevoll. Indiens Frauen besitzen i.d.R. nur die Rolle zu arbeiten und Kinder zu bekommen. Sehr früh, ab dem 11. Lebensjahr verlassen die Mädchen die Schule und müssen für den eigenen Lebensunterhalt sorgen und dazu beitragen, das Überleben der Familie zu sichern. Viele Kinder arbeiten unter erschwerten Bedingungen bis zu zwölf Stunden am Tag und werden mit acht bis zehn Euro im Monat dafür entlohnt.

Klick, Klick, Klick – das Geräusch wird immer lauter! Und plötzlich kommt ein kleines Mädchen auf mich zu und legt mir „das Ding“ wieder in meine Hand zurück. Ich blicke in fragende Augen und bin verunsichert, denn sie malt mit ihren Fingern Kreise in die Luft. Mit zittriger Hand, denn ich weiß, dass mir eigentlich Papier hier fehlt, versuche ich den Kampf mit dem Sand aufzunehmen. „Lass mich jetzt nicht im Stich!“ geht es mir durch den Kopf. “Nimm den Kampf mit dem Sand auf, denn sonst ist das gerade erst gewonnene Vertrauen der Kinder dahin.“

Besonders die Mädchen werden frühzeitig aus der Schule genommen, denn aufgrund traditioneller Geschlechterrollen ist die Chance, das Erlernte nutzbringend Einsetzen zu können, für Jungen wesentlich größer als für Mädchen. So ist der Anteil der weiblichen Schüler unter den Schulabbrüchen um einiges höher als der Anteil von den männlichen.

Die Zeit ist offensichtlich stehen geblieben in unserem kleinen Kreis, denn ich bemerke erst spät, dass sich die Sonne gen Horizont neigt. Mit einer tiefen Verbeugung, meine Hände sind zum Dank gefaltet, muss ich mich verabschieden. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein kleines Mädchen auf, ergreift meine Hände und malt ein schwarzes Kreuz auf meinen Handrücken.
Ein paar Striche sind es nur, aber es sollte ein Anfang der Hoffnung für sie alle sein.

Spendengelder, die direkt in die Familien fließen, unterstützen die Eltern dabei, ihren Töchtern eine gute Ausbildung zu finanzieren.

Ich bin wieder zurück mit einem Kameragehäuse, zwei Objektiven und mit vielen Eindrücken, die ich noch heute nachhaltig spüre. Die Gesichter sind es, die die Erinnerung an Stolz, Demut und Hoffnung im mir bewahren.

Die reduzierte Fotoauswahl dieser Reportage ist mir nicht leichtgefallen. Denn ein jedes Gesicht, jeder Ort des Erlebens, jedes Lächeln und jede Träne sind es wert, erzählt zu werden.

Glück auf, Claudia Schütte


Öffnungszeiten / Kontakt


Öffnungszeiten
Mo bis Fr 8 - 24 Uhr / Sa von 11 - 20 Uhr / So von 11 - 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.

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