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Viktoria Lomasko: Zeich(n)en des Wandels

Viktoria Lomasko: Zeich(n)en des Wandels - vom revolutionären zum post-postsowjetischen Raum

In Kooperation zeigen das Osteuropa-Kolleg NRW, das Seminar für Slavistik/Lotman-Institut RUB und die Universitätsbibliothek Reportage-Zeichnungen der jungen Moskauer Künstlerin Viktoria Lomasko, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander setzt.

Die Eröffnung findet am 8. November 2017 statt - dem Jahrestag der Oktoberrevolution von 1917.
Sie beginnt um 18 Uhr in der UB, Etage 1, Raum 1/09.

Die Ausstellung ist bis zum 30 Dezember zu sehen.

Der Eintritt ist frei.

ZUR AUSSTELLUNG

Zeich(n)en des Wandels - vom revolutionären zum post-postsowjetischen Raum

Viktoria Lomasko ist mit ihren Arbeiten zu sozialen Themen bekannt geworden. „Other Russias“ ist der Titel ihres 2017 im Londoner Verlag Penguin erschienen Buchs. Lomaskos fakten- und ereignisreiche Zeichnungen porträtieren die russische Gesellschaft mit ihren Spannungen und Konflikten. Skizzen zu Zeichnungen aber auch Zeichnungen selbst entstehen direkt am Ort des Geschehens und spiegeln die Dynamik der Ereignisse wider.

Neben Reproduktionen sind auch einige Dutzend Originale aus den Skizzenbüchern von Viktoria Lomasko zu sehen, die u.a. beim Pussy-Riot-Prozess entstanden. Sie sind nicht nur Abbildungen der Ereignisse, sondern selbst Artefakte der Proteste.

Die Ausstellung ist dank ihrer Integration in die Architektur der Universitätsbibliothek einmalig. Sie verwandelt die einzelnen Etagen in eine sichtbare Chronologie und Geographie des postsowjetischen Lebens.

Den ersten Teil der Ausstellung bildet eine Chronik der Moskauer Protestbewegungen der letzten fünf Jahre. Sie reicht von den Massendemonstrationen der Jahre 2011/12, die international Aufmerksamkeit erregten, bis hin zu lokalen Bewegungen der 2015er bis 2017er Jahre, die selbst in Russland aufgrund der offiziellen Informationspolitik nur wenigen Menschen bekannt sind. Die Demonstrationen haben heute ihren Massencharakter verloren. Dafür sind an die Stelle der etwas abstrakten Losungen wie „Für faire Wahlen“ konkrete soziale Forderungen getreten.

Der zweite Teil der Ausstellung ist eine Erkundung des postsowjetischen Raumes – ein Projekt, das Viktoria Lomasko seit 2014 verfolgt. Die Künstlerin hat bisher folgende Gebiete der ehemaligen Sowjetunion bereist: Kirgisistan, Georgien, Armenien, und im Nordkaukasus Dagestan und Inguschetien. Das von ihr gesammelte Material – Skizzen und Interviews – zeigt, wie unterschiedlich und uneinheitlich die kommunistischen Ideen in der Sowjetzeit aufgenommen wurden. Zugleich machen sie deutlich, wie widersprüchlich und kontrovers sich das Verhältnis zum sowjetischen Erbe in diesen Regionen gestaltet.

Verschiedene Relikte des sowjetischen Projekts, die überall im postsowjetischen Raum zu entdecken sind in Architektur, Sprache, Elementen der Bildung usw. fordern es geradezu heraus, das Erbe der Revolution tiefer und differenzierter zu reflektieren. Vor diesem Hintergrund wird immer deutlicher, dass die Unruhen in Moskau 2011/12 nur als eine mediale Bilderabfolge – einer Menschenmenge mit kreativen Plakaten und Losungen – existierten. Revolutionäres utopisches Potential jedoch fehlte gänzlich.

Während ihrer Reisen in Mittelasien und im Kaukasus veranstaltete Viktoria Lomasko Workshops mit lokalen feministischen Gruppen zu sozialen und politischen Kunstaktionen. Die Teilnehmerinnen haben Themen und Ziele der Workshops selbst bestimmt, z.B. Entwurf und Ausführung von Straßenschablonen für das Projekt „16 Tage gegen Gender-Gewalt“. Zeugnisse dieser Workshops sind in der Ausstellung zu sehen.

Workshop „Kunst und/oder/als Sozialkritik im postsowjetischen Raum“

Die thematischen Schwerpunkte einer Lomasko-Ausstellung sind erstmals in den akademischen Alltag einer Universität integriert: die Ausstellung ist nicht nur als Anschauungsmaterial, sondern zugleich als Lehrstoff konzipiert. Im Rahmen des Workshops „Kunst und/oder/als Sozialkritik im postsowjetischen Raum“ werden Studierende der RUB gemeinsam mit der Künstlerin sichtbare Zeichen des gesellschaftlichen Wandels und der Protestbewegungen diskutieren.

Der hundertste Jahrestag der Russischen Revolution ist Anlass zur Reflexion über die Verbindungen zwischen den heutigen Ereignissen und der Vergangenheit. Die Ausstellung Lomaskos wirft zwei Fragen auf:
- Gibt es heute in Russland Möglichkeiten eines revolutionären Protests (zivilgesellschaftliche Initiativen, Massenbewegungen, soziale Proteste usw.)? - Kann man heute überhaupt über einen postsowjetischen Raum als ein Ganzes sprechen? Und wenn ja, was hält ihn zusammen?

Viktoria Lomasko verbindet in ihren Projekten künstlerische, soziologische und journalistische Praktiken. Mit den Lehrenden des Lotman-Instituts für russische Kultur der RUB und dem Moskauer Soziologen Dr. Aleksandr Bikbov diskutiert sie in einem Blockseminar die sozialkritische Rolle der Kunst in Russland heute.
Untersucht wird, wie die Kunst und die Kultur- und Sozialwissenschaften dazu beitragen können, den „Menschen ohne Stimme“ eine Plattform zu verschaffen.

Im Anschluss präsentieren die Studierenden in eigens konzipierten Führungen die Ergebnisse des Workshops.

Öffentliche Führungen

  • Mittwoch, den 22.11.17, 10.15 - 11 Uhr
  • Mittwoch, den 22.11.17, 16.15 - 17 Uhr (in russischer Sprache)
  • Mittwoch, den 6.12.17, 16.15 - 17 Uhr


Öffnungszeiten
MO bis FR 8 - 24 Uhr / SA von 11 - 20 Uhr / SO von 11 - 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kontakt

  • Daria.Khrushcheva, Seminar für Slavistik / Lotman-Institut RUB, Tel. 0234 / 32-23365
  • Gisela Ogasa, Universitätsbibliothek, Tel. 0234 - 32 27354

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