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„Ich kam als Gast in euer Land gereist …“

Deutsche Antifaschisten in der Sowjetunion 1933 – 1956

  • Eröffnung mit Vortrag von Dr. Wladislaw Hedeler:
    Mittwoch, 19. Februar 2020 um 17.30 Uhr
    im Erdgeschoss, Raum 0/03
  • Dauer: 19. Februar - 6. Mai 2020
  • Ort: 19.2.-15.3.2020 im Erdgeschoss,
    ab 16.3.-6.5.2020 auf Etage 5
  • Finissage mit Vortrag von Dr. Anne Hartmann (RUB):
    Vernichtende Urteile. Die deutschen Schriftsteller und ihre "Cliquenkämpfe" im sowjetischen Exil.
    Mittwoch, 6. Mai 2020 um 18 Uhr
    auf Etage 1 in Raum 1/09
  • Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-23 Uhr // Sa+So 10-21 Uhr

Der Eintritt ist frei.


 
 

Die zweisprachige Wander-Ausstellung, konzipiert von Inge Münz-Koenen und Wladislaw Hedeler, war seit 2013 bereits mehrfach international zu sehen. Auf dem Campus zeigen sie gemeinsam das Seminar für Slavistik / Lotman-Institut, das Institut für Deutschlandforschung der RUB und die Universitätsbibliothek Bochum.


Die Ausstellung ist Teil der internationalen Tagung "Stalinkomplex!? Deutsche Kulturkader im Moskauer Exil und in der DDR" an der Ruhr-Universität Bochum. Flyer und Programm.

Katalog zur Ausstellung:
Wladislaw Hedeler, Inge Münz-Koenen (Hg.): „Ich kam als Gast in euer Land gereist …“. Deutsche Antifaschisten in der Sowjetunion 1933 – 1956. Berlin: Lukas Verlag, 2013.

Zur Ausstellung

„Hier haben wir ein höheres Leben begonnen in einer neuen und wahren Heimat, die uns Wohlstand und Kultur schenkt“, heißt es in einem Brief von elf deutschen Arbeitern, den die Leningrader Rote Zeitung 1935 wiedergab. „Wolfgang ist so glücklich wie nie“, berichtete Erika Duncker ihren Schwiegereltern, als ein Traum des jungen Filmkritikers in Erfüllung ging und er 1936 beim Kinokonzern Mosfilm Anstellung fand.

Bis Mitte der 30er Jahre war die Sowjetunion ein Hoffnungsland, das viele Deutsche anzog: Manche kamen als Wirtschaftsmigranten auf der Suche nach Arbeit, andere aus politischen Gründen auf der Flucht vor der Gestapo und rassischer Verfolgung. Die Russlandfahrer waren durchweg Nazigegner und fest entschlossen, aktiv beim Aufbau der neuen Gesellschaft mitzuwirken. Und zunächst schienen die Hoffnungen auch nicht zu trügen. Die ersten Jahre werden meist erinnert als gute Zeit, in der die Ankömmlinge voller Optimismus in die Zukunft schauten.

Doch veränderte sich das politische Klima in der Sowjetunion Mitte der 30er Jahre jäh: Der Terror führte zu einer unerbittlichen Jagd auf vermeintliche Volksfeinde, Spione und Verräter. Dabei machte der Säuberungsfuror Stalins vor den kurz zuvor noch so gastfreundlich aufgenommenen Fremden nicht Halt. Gerade die Ausländer galten jetzt als verdächtige Wesen. Manche wurden ausgewiesen, viele als angebliche Trotzkisten, Faschisten oder Konterrevolutionäre verhaftet, erschossen oder über Jahre und Jahrzehnte eingesperrt. Wolfgang Duncker geriet 1938 in Gefangenschaft und starb 1942 an Entkräftung im Lager, die elf Arbeiter, die ihre neue Heimat so euphorisch gelobt hatten, wurden sämtlich erschossen. Lebenslinien wurden gewaltsam zerrissen, auch der Angehörigen. Des Ehepartners, Vaters oder Sohns beraubt, der Ungewissheit überlassen und selbst Schikanen ausgesetzt, waren sie vielfältig mit betroffen – bis in die nächste Generation hinein.

Ergänzt von vier thematischen Tafeln dokumentiert die Ausstellung fünfzehn Familiengeschichten, Schicksale deutscher Antifaschisten im Stalinismus. Sie beruht auf der Zusammenarbeit von Historikern mit Überlebenden und Nachkommen Verfolgter und kann auf diese Weise sehr persönliche Zeugnisse nahebringen.

Dr. Anne Hartmann


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