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SUSU Celjabinsk

Bericht über einen Aufenthalt in der wissenschaftlichen Bibliothek der Staatlichen Universität Südural in Čeljabinsk im Rahmen des Tempus JEP Projekts "e-Urals.com - European-Urals Redevelopment of Academic Library Systems. Communication, Organisation and Management" vom 27.09. - 03.10.2002

 

Die Stadt Čeljabinsk

Čeljabinsk liegt im südlichen Ural, nahe an der Grenze zwischen Europa und Asien. Mit ca. 1,1 Millionen Einwohnern ist es die größte Stadt in der Region Südural und ein bedeutendes industrielles Zentrum. Gleichzeitig nimmt Čeljabinsk auch die zentrale Stellung in Bildung und Wissenschaft der Region ein.

Die Staatliche Universität Südural und die wissenschaftliche Bibliothek

Bild020.jpgDie verschiedenen Fakultäten der Staatlichen Universität Südural befinden sich zum größten Teil in Čeljabinsk. Weitere Fakultäten und Institute der Universität befinden sich in verschiedenen Städten der Region. Die zentrale wissenschaftliche Bibliothek ist in unmittelbarer Nähe der Universitätsgebäude in Čeljabinsk gelegen.

Die Bibliothek verfügt insgesamt über einen Bestand von über 2 Millionen Bänden.In der Zentralbiblitohek werden davon die meisten in Magazinen gelagert, nur die wichtigste Literatur befindet sich im Freihandbereich. Die Aufstellung der Bestände erfolgt nach Systemstellen, die an die UDK angelehnt sind.

Im Gebäude der Bibliothek gibt es mehrere Lesesäle mit angeschlossenem Magazin für die verschiedenen Fächer, darunter einen Zeitschriftenlesesaal mit den laufenden russischen und ausländischen Zeitschriften. Ferner gibt es einen zentralen Bibliographienlesesaal, der den Benutzern ca. 18 Terminals für die Recherche im Bibliothekskatalog ELEKAT bietet. ELEKAT verzeichnet den Bestand der Bibliothek ab 1975. Zum Bibliothekskatalog ELEKAT gibt es auch eine Web-Schnittstelle. Im Bibliographienlesesaal werden auch Benutzerschulungen angeboten.

Es gibt ein gebührenpflichtiges Kopierzentrum in der Bibliothek.

Die Erwerbung und Katalogisierung erfolgen mit der Bibliothekssoftware Library 4. Der größte Teil des Erwerbungsetats wird für naturwissenschaftliche / technische Fächer ausgegeben.

In der Katalogisierungsabteilung werden die Sacherschließung (Vergabe der Systemstelle), die Überprüfung der Katalogaufnahme an Normdateien und die Erfassung der Neuerwerbungen in ELEKAT durchgeführt. Auch der Ausdruck der Katalogkarten erfolgt hier.

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Projektziele

Ein Ziel des Tempus JEP-Projektes ist die Unterstützung der wissenschaftlichen Bibliothek der Staatlichen Universität Südural bei der Beschaffung und Einführung eines integrierten Bibliotheksmanagementsystems. Die notwendigen Rahmenbedingungen hierfür wurden im Rahmen des Besuchs unseres russisch-deutschen Projektteams in Čeljabinsk ausführlich diskutiert. Weitere Ziele, die damit in direktem Zusammenhang stehen, sind die Verbesserung der Netzinfrastruktur als unbedingte Voraussetzung für die Einführung eines Bibliothekssystems sowie die schrittweise Umstellung auf Freihandaufstellung und elektronische Ausleihverbuchung.

Die Bibliothek hat zur Unterstützung der Projektarbeit ein eigenes Projektbüro eingerichtet. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe der Räume der Bibliotheksleitung und ist mit einem internetfähigen PC sowie einem modernen kombinierten Telefon- / Faxgerät ausgestattet. Während meines Aufenthaltes in Čeljabinsk hatte ich Gelegenheit, das Faxgerät zusammen mit einem Kollegen aus dem russischen Projektteam, Herrn Andrej Gavrilin, in Betrieb zu nehmen - die Herstellerfirma hatte die Bedienungsanleitung und technische Beschreibung zu dem Gerät leider nur in einer deutschen Version mitgeliefert, so dass ich die relevanten Teile der Beschreibungen zunächst ins Englische übersetzen musste. Danach und nach der Umstellung des Faxgerät-Displays auf englische Anzeige-Texte fiel es erheblich leichter, die notwendigen Einstellungen auf das richtige Wählverfahren etc. vorzunehmen!

Anschaffung eines neuen integrierten Bibliothekssystems

Bisher werden in der Bibliothek der Staatlichen Universtät Südural in Čeljabinsk für den Nachweis der Bestände im Katalog und die Erwerbung zwei verschiedene Produkte eingesetzt (ELEKAT für den OPAC und Library 4 für die Erwerbung). Titelaufnahmen aus dem Erwerbungssystem müssen stets zusätzlich in ELEKAT erfasst werden. Künftig sollen diese Vorgänge durch ein integriertes System zusammengefürt werden.
Das neu zu beschaffende integrierte Bibliothekssystem soll u. a. Module für

  • Katalogisierung
  • OPAC
  • Erwerbung
  • Einbindung von Internetdiensten / elektronischen Dokumentlieferdiensten /
    digitaler Bibliothek / elektronischen Zeitschriften etc.
  • Benutzung und Ausleihverbuchung
  • Statistik
  • E-Mail-Funktionalitäten zur Erzeugung und Verschickung
    von Benachrichtigungen oder Mahnungen

bieten. Das Modul für die Ausleihverbuchung sollte auch erkennen, ob ein Buch in der Universitätsbibliothek oder in einer Abteilungsbibliothek ausgeliehen wurde und Vormerkungen ermöglichen.

Zur Zeit wird von der Universitätsbibliothek Čeljabinsk das amerikanische Produkt VTLS von dem gleichnamigen (Bibliotheks-)Softwarehersteller favorisiert. Es verfügt über die geforderten Leistungsmerkmale, und darüber hinaus haben die Universitätsbibliotheken Tomsk und Kemerovo bereits das multifunktionale Katalogprogramm VIRTUA (von der selben Firma entwickelt als Nachfolgeprodukt von VTLS) erfolgreich eingeführt. Somit liegen bereits Erfahrungen mit der Firma VTLS und ihren Produkten vor. Als Alternative zu VTLS ist u. a. auch Aleph im Gespräch gewesen. Die Universitätsbibliothek Exeter hat sich jedoch bereits 1997 bei ihrer eigenen Systemumstellung gegen Aleph entschieden, da man befürchtete, von Seiten der Firma exLibris keinen ausreichenden Support bei möglicherweise auftretenden Problemen zu erhalten. Die endgültige Entscheidung für ein bestimmtes System soll in Kürze fallen.

Zusätzlich zu den reinen Anschaffungskosten für ein neues EDV-System müssen auch die jährlichen laufenden Kosten beachtet werden.

Um die bestmöglichen Vertragsbedingungen zu erzielen, sollten neben den finanziellen Aspekten auch weitere Leistungen verhandelt werden, die die Vertragsfirma für die Bibliothek erbringen soll, wie z. B. ein Programm zur Konvertierung von Altdaten und entsprechenden Support.

Bei der Einführung eines modernen EDV-Systems werden sich viele Arbeitsgänge und damit die Arbeitsplätze vieler Bibliotheksmitarbeiter grundlegend ändern. Um Unsicherheit und Vorbehalte zu vermeiden, ist es sehr wichtig, die Mitarbeiter auf die Veränderungen vorzubereiten und umfassend zu schulen. Auch die Geschäftsgänge innerhalb der Bibliothek müssen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. In der Universitätsbibliothek Tomsk haben Spezialisten der Firma VTLS eine Gruppe von Bibliotheksmitarbeitern geschult. Diese haben ihr Wissen anschliessend im "Schneeballsystem" an ihre Kollegen weitergegeben.

Über die Erfahrungen der Universitätsbibliothek Tomsk mit dem System VIRTUA wird eine Expertise angefertigt werden, die für das Team der Universitätsbibliothek Čeljabinsk sehr hilfreich sein wird.

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Das Projektteam bei der Arbeit im Büro der leitenden Bibliotheksdirektorin, Irina Petrovna Burger (ganz links)

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Erweiterung und Modernisierung des Bibliotheksnetzwerks

Eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung eines modernen Bibliotheksmanagementsystems und die verbesserte Nutzung von elektronischen und Internet-Ressourcen ist der Ausbau und die Modernisierung der Vernetzung der Bibliothek. Die Coaxial-Verkabelung soll dabei durch TP-Kabel ersetzt werden. Einige Abteilungen der Bibliothek sind bereits an ein TP-Kabelnetz angeschlossen. Die Netzinfrastruktur muss zukünftig auch von den Standorten der Staatlichen Universität Südural nutzbar sein, die sich außerhalb von Čeljabinsk befinden. Auch die Bibliothekskunden, die sich von ihrem Computer zu Hause in das Netz der Universitätsbibliothek einwählen wollen, um die Dienstleistungen zu nutzen, sollten in den Planungen berücksichtigt werden.

Einführung der Freihandaufstellung und eines Buchsicherungssystems

Bild007.jpg Die Umstellung der Bestände auf Freihandaufstellung wird schrittweise in den kleineren Lesesälen der Bibliothek beginnen. Problematisch ist hierbei die Aufstellung der Bestände nach UDK-Systemstellen, da diese ohne Vorwissen teilweise schwer nachvollziehbar und damit nutzerunfreundlich ist. Die Anschaffung eines Buchsicherungssystems wäre sehr teuer, mittelfristig allerdings wahrscheinlich erforderlich.

Die Benutzungsordnung sowie die Ausleihkonditionen müssen überarbeitet und den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die bisherigen Regelungen werden ins Englische übersetzt und der Universitätsbibliothek Exeter zugestellt. Diese wird Vorschläge zur Optimierung der Benutzungsordnung und der Ausleihkonditionen machen. Gleichzeitig sollen die Vorschriften in den Abteilungsbibliotheken und der Universitätsbibliothek Čeljabinsk vereinheitlicht werden.

Im November 2002 werden einige Kolleginnen aus Čeljabinsk die Universitätsbibliothek Exeter für einen Informations- und Erfahrungsaustausch besuchen. Ein Besuch der russischen Kolleginnen und Kollegen in der Universitätsbibliothek Bochum im Rahmen des Projektes ist für März 2003 geplant.

Schlussworte

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meiner Direktorin, Dr. Erda Lapp, sowie dem Direktor der University of Exeter Libraries, Alasdair Paterson und dem Koordinator des Tempus JEP-Projektes e.URALs.com, Ron Delve bedanken, deren Unterstützung und Engagement mir die Mitarbeit an diesem Projekt und den Aufenthalt in Čeljabinsk ermöglicht haben. Mein besonderer Dank gilt natürlich auch den Kolleginnen und Kollegen in Russland, die uns überaus gastfreundlich aufgenommen haben und sich auch über die Projektarbeit hinaus sehr viel Zeit für uns genommen haben. Sie haben den Besuch in Čeljabinsk für mich zu einer sehr interessanten und wertvollen Erfahrung werden lassen.

E. Helmes


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Von links nach rechts: Martin Myhill, Caroline Gale, Ron Delve und Alasdair Paterson aus der Universitätsbibliothek
Exeter, Galina Erochina aus der Universitätsbibliothek Tomsk, Andrej Gavrilin aus der Universitätsbibliothek Čeljabinsk
und Eva Helmes aus der Bibliothek der Ruhr-Universität Bochum